Wissenswertes zu SARS-CoV-2 aus erster Hand

Wissenswertes zu SARS-CoV-2 aus erster Hand

Christian Müller, Allgemeinmediziner und Initiator der „Corona-Schwerpunktpraxis Hochtaunus“, hat interessierten Eltern unserer Schul- und Kinderhausgemeinschaft im Rahmen eines Online-Experteninterview über seine unmittelbaren Erfahrungen mit SARS-CoV-2 berichtet. Etliche Eltern nahmen an der Veranstaltung teil und nutzen die Möglichkeit, Fragen per Chat zu stellen. Das Gespräch führte Edna Wollenweber, Geschäftsführerin der Gemeinnützige Montessori Kronberg GmbH.

Die „Corona-Schwerpunktpraxis Hochtaunus“ habe am 27. April in den Räumen des ehemaligen katholischen Gemeindezentrums St. Franziskus im Gluckensteinweg 101 in Bad Homburg-Kirdorf geöffnet, berichtete Müller. Seitdem seien dort elf niedergelassene Ärzte, die meisten von ihnen Allgemeinmediziner, montags bis freitags je vier Stunden tätig. 20 bis 25 Patienten suchten die Praxis täglich auf. Die Quote der SARS-CoV-2-positiven betrüge aktuell 3,96 Prozent. Die Praxis arbeite auf freiwilliger Basis, verdiene selbst kein Geld und sei auf Spenden angewiesen, die bisher von den beteiligten Ärzten geleistet würden. Es sei vorgesehen, auch die Bevölkerung um Spenden zu bitten.

Als besonders markantes Symptom einer SARS-CoV-2-Infektion sei – neben nicht-produktivem Husten und teils hohem Fieber – die Verminderung oder gar der Verlust des Geruchs- und/oder Geschmackssinns, so Müller. Das gehe so weit, dass Patienten regelrecht Ekel vor Lebensmittel entwickelten, die sie normalerweise gerne äßen. Die Symptome verstärkten sich im Verlauf der Infektion. Zwar gebe es auch asymptomatische Patienten, aber nur selten.

Bei den meisten seiner Patienten verlaufe die Erkrankung so, dass sie ambulant versorgt werden könnten, erklärte Müller. Stationär behandelt werden müssten vor allem ältere und chronisch kranke Patienten. Mit Blick auf die Teilnehmer am Experten-Interview hob Müller hervor, dass nach seiner Erfahrung Kinder weniger stark erkrankten als Erwachsene. Das sei wohl darauf zurückzuführen, dass sich das  immunologische Gedächtnis von Kindern erst aufbaue – d.h. das Immunsystem von Kindern reagiere früher als das von Erwachsenen auf den unbekannten Erreger (der für es nur einer von vielen unbekannten Erregern sei). Entsprechend habe er bislang keine schweren Verläufe bei Kindern erlebt, und diese seien auch nur spärlich beschrieben.

Im ambulanten Bereich würden Patienten symptomatisch behandelt, insbesondere mit Medikamenten, die Fieber senken und Husten stillen. Im stationären Bereich käme – unter bestimmten Voraussetzungen – das Breitbandvirostatikum Remdesivir zum Einsatz, das seit Juli in Europa für die Therapie von SARS-CoV-2 zugelassen ist.

Ob und für wie lange Patienten nach überstandener SARS-CoV-2-Infektion immun dagegen würden, dazu sei es noch früh, um Aussagen zu treffen.

Grundsätzlich hält Müller es für realistisch, dass binnen Jahresfrist ein Impfstoff gegen SARS-CoV-2 gefunden sei. Allerdings warnte er klar vor übertriebener Euphorie: Ähnlich wie bei dem Impfstoff gegen Influenza, würden auch bei einem Impfstoff gegen SARS-CoV-2 höchstwahrscheinlich zunächst Risikogruppen priorisiert.

Um sich vor einer Infektion SARS-CoV-2 zu schützen, sei Abstand halten und – wo das nicht möglich sei – das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes am einfachsten und effektivsten, sowie regelmäßiges Lüften von Räumen, in denen sich mehrere Menschen gleichzeitig über einen längeren Zeitraum aufhalten. Er begründete dies damit, dass sich Coronaviren via Tröpfcheninfektion verbreiteten. Größere Tröpfchen trügen zwar eine größere Viruslast, sänken aber auch schneller zu Boden, wohingegen kleinere Tröpfchen zwar eine kleinere Viruslast trügen, sich aber länger in der Luft hielten.

Ausdrücklich lobte Müller das Konzept der Gemeinnützige Montessori Kronberg GmbH, die für die gesamte Dauer des Kinderhaus- und Schuljahres 2020/21 die normalen Gruppengrößen halbiert und die Flächen vergrößert habe. 

Im Kinderhaus bedeutet das, dass die bislang in einem offenen Konzept betreuten Kinder in zwei feste Gruppen à maximal 25 aufgeteilt und die Räumlichkeiten, in denen die Kinder betreut werden, um 90 Prozent auf 325 qm erweitert wurden, u.a. durch Anmietung eines Bürocontainers. In der Schule bedeutet das, dass die drei jahrgangsgemischten Grundschulklassen geteilt wurden, so dass nun jeweils Schülerinnen und Schüler des ersten und zweiten sowie dritten und Schuljahres in sechs konstanten Gruppen zu maximal Zwölft beschult werden, auch hierbei unter Ausnutzung sämtlicher zur Verfügung stehender Räume.

Graphik: Pixabay

 

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